Browsing articles in "Texte"

Melanie Mostler: Der Blick fuer das Wesentliche

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Im Bett lege ich mich ein letztes Mal zu dir und flüster dir alles Ungesagte, so dass du eine Gänsehaut bekommst. Unsere Köpfe liegen sich gegenüber, als ich darüber nachdenke, dass dein Bartpieksen wohl eine der schönsten Erinnerungen ist. Es drehen sich die Töne in deiner Anlage, aber ich kann dem Rhythmus dieser Welt nicht mehr folgen. Dann drehst du dich um und ich versuche, den Augenblick festzuhalten, weil ich schon früher jeden kleinen Abschied zu schätzen wusste. Wenn es dann vorbei ist, versteht man auch nicht viel mehr von der Seltsamkeit des großen Ganzen und der Kostbarkeit aller kleinen Teile.

(…)

Hedwig Langkau: Nachtgebet

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

Ich liege im Bett, ziemlich geschlaucht von der langen Autofahrt, und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Ich danke meinem Gott, dass ich heil und gesund wieder zu Hause angekommen bin. Aber was wäre, wenn heute mein letzter Tag wäre? Heute könnte ich nichts mehr tun, als das Unvermeidliche hinzunehmen.

Aber wenn morgen mein letzter Tag wäre? Ich glaube fest an ein Weiterleben nach dem Tod. Und meine Hoffnung ist, dass in der Ewigkeit alles besser und gerechter zugeht als hier auf Erden.

(…)

Bjoern Hoegsdal: Als mein Vater den Tod bestahl…

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Mein Großvater, „Bestevar“, wie es im Norwegischen heißt, war kein Mann, der jammerte, wenn es um seinen Körper ging, und so beschwerte er sich nicht. Nicht über sein Missgeschick und auch nicht, als der Gips im Krankenhaus zu eng angelegt wurde. Als seine Zehen die Farbe vergammelter Bananen annahmen und amputiert werden mussten, nahm er es hin mit der Duldsamkeit der Weltkriegsgeneration. Was sind schon ein paar Zehen? Die Ärzte hatten nicht besonders sorgfältig gearbeitet und so begann auch der restliche Fuß zu faulen. Mit der Amputation des linken Fußes sank seine Motivation dann doch und fünf weitere Operationen später hatten sie Bestevar das Bein oberhalb des Knies und den Lebensmut unterhalb des Herzens abgenommen.

(…)

Matthias Feldmann: Auf dem Weg in das wichtigste Meeting

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Was ich jetzt noch anfange, bleibt unerledigt.

Das Ende lähmt mich und ist zugleich unerträglich,

denn es zersägt mich, weil ich schon wieder abschweife.

Und es plagen mich Zweifel:

Ist denn mein Lebenswerk überhaupt einmal der Rede wert?

Wie es mich in der Regel stört,

gehe ich mal wieder – gar nicht bereit –

in ein wichtiges Meeting, als wär’s Zeitvertreib.

Es verbleibt kaum Zeit.

Obwohl in mir ruhend, bin ich völlig rastlos;

obwohl ich stets machte, fühle ich mich jetzt machtlos.

 

Leute, seid mir nicht böse, bitte seid nicht enttäuscht.

Hoffentlich erlöst mich der Tod davon, dass mein Leben nicht reicht.

(…)

Pascal Blanco: Der Vorhang faellt (k)ein letztes Mal

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Es wird ernst. Ich spüre, wie ich langsam an Gewicht verliere. Sterben ist leicht, es ist wahr. Fühle mich leicht wie der Wind, der mich umgibt. Ich habe keine Angst. Im Gegenteil, ich freue mich auf all diese Menschen und Wesen, die ich nun endlich wiedersehen werde. Und mit einem Lächeln auf meinen Lippen entschlafe ich dieser Welt.

Als ich wieder erwache, bin ich immer noch am Strand. Viel hat sich nicht geändert. Zumindest erscheint es mir so. Ich wundere mich ein bisschen und stelle mir die Frage, ob ich auch wirklich tot bin.

(…)

Yana: Die letzten 24 Stunden meines Lebens

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Es war ein wunderbarer Moment, in dem die Welt still zu stehen schien und mein Herz kurz vergaß, weiter zu schlagen. Ich denke oft daran, dieser Blick und die offensichtliche Nervosität, die durch seinen Körper raste, bis diese wundervollen Worte aufrichtig und unschuldig seine Lippen verließen, um durch mein Ohr, dem Gehirn vorenthalten, direkt in mein Herz trafen. Noch ein letztes Mal möchte ich am Steg stehen mit leichtem Regen und mit ihm tanzen, mit den Gedanken nur beieinander und mit geschlossenen Augen seinem Atem lauschen.

(…)

Sibylle Schreiber: Die Freiheit der Moewen

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Die aufgehende Sonne, in der sich wie Scherenschnitte die Möwen abzeichneten, die kreischend nach Nahrung suchten. Wie frei sie waren. In diesem Moment so frei wie sie, die sich stöhnend unter ihm wand. Als das erste Mal vorbei war und sie in seinem Arm lag, fröstelnd ob der Unausweichlichkeit ihres endenden Lebens, wurden ihr die Möwen erst richtig bewusst. So frei hätte auch ihr Leben sein können. Doch so frei war ihr Leben jetzt, hier, in diesem Augenblick. Was nützte es, einem verfehlten Leben hinterher zu trauern, wenn sie in dieser Stunde alles wieder gut machen könnte?

(…)

Casjen Ohnesorge: 3 Dinge

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Neuer Versuch!

 

Was man als Letztes im Leben macht

hängt von 3 Dingen ab:

dem Staat, den Menschen und der Religion

 

Der Staat ist ein Sahnetörtchen

Die Menschen sind notwendiges Übel

und die Religion ist wie jedes andere Potenzmittel

 

Unter diesen Bedingungen könnte man was machen

wenn man klarkommt

(…)

Jan Jepsen: Beam me up, Gotti

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Du musst zugeben, soweit hergeholt ist der Vergleich nicht. Letztlich ist der Liebe Gott doch nichts anderes, als der Chefjuror schlechthin und das Jüngste bzw. Partikulargericht praktisch die Mutter aller Castingshows: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Tröpfchen. Hopp oder topp! Paradies oder ewige Verdammnis. Da steht eine Menge auf dem Spiel. Die ganze Zukunft. Aber deshalb Angst davor haben? Angst ist nie gut. Verdirbt bei Schweinen das Fleisch. Frisst Seele. Und außerdem hat man es doch eh die ganz Zeit gewusst: Das Leben ist ein sehr viel unwahrscheinlicherer Zustand als der Tod.

(…)

Armin Sengbusch: Das Versprechen

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Unruhig war ich und voller Vorfreude auf den Abend, die Nacht. Sie würden kommen und mich mitnehmen. Und auf dem Weg zum Elbstrand dachte ich noch einmal darüber nach, wie das alles angefangen hatte. Die Stimmen in der Nacht, von denen ich zunächst immer angenommen hatte, dass ich sie mir einbildete, bis ich dann feststellte, dass sie mir Dinge sagten, an die ich mich entweder kaum erinnern konnte oder von denen ich schlichtweg keine Ahnung hatte. An die Angst, die mich zunächst gepackt hatte, die später, nach einigen Wochen, wohliger Entspannung gewichen war, weil ich das Gefühl hatte, gefunden worden zu sein und dass mein Dasein auf dem Planeten endlich war. Vieles mochte ich, noch mehr nicht und die Menschen waren ein Teil dessen, was ich wie bei einer Suppe am liebsten an den Rand gelegt hätte.

(…)

Seiten:«12345»