Browsing articles in "Texte"

Tobias Kunze: 1 Jahr 1 Tag 1 Minute (3 Szenarien)

Mai 2, 2012   //   by admin   //   Texte  //  No Comments

1 Jahr

Shit. Du kaufst dir als erstes eine gute Buddel Verarbeitungs-Sprit. Zu Hause beginnst du spontan mit Reiseplanungen. Na ja, eher Reise-Ausmalungen. Dahin, wo du schon immer, oder besser gesagt, noch wolltest. Orte, die du besuchen, und Dinge, die du da oder dort oder hier noch machen wolltest. Dann überlegst du, wie du das alles anstellst und wie du an die nötige Kohle kommst. …

Casjen Ohnesorge: So spaet am fruehen Morgen

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

Die Welt sprach heute zu mir

in einem übervollen Rausch

seltsam, ich war ihr offen

setzte mich auf und lauschte dem Geplausch

 

Lange hatte sie nicht geredet

ewig ließ sie uns in Ruh (…)

Stefan Schwarck: Der letzte Zug

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Der scharfe Kegel des Scheinwerfers streift über die Hauswand auf der gegenüberliegenden Straßenseite, nur Augenblicke später folgt die Straßenbahn wie vom eigenen Lichtstrahl gezogen und hält rasselnd an der Haltestelle. Mit einem leisen pneumatischen Zischen öffnet sich die Tür. Ich stehe mit steifen Beinen auf, nehme meine Reisetasche und schnippe die Zigarette in einer glühend orangenen Parabel den Perron herunter.

Das ist sie also. Meine letzte Bahn.

(…)

Keno Gizeh: Nur noch ein Tag

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Das etwas nüchterne, wenn auch unmissverständliche “Es tut mir leid, aber es ist kein Fehler. Nutzen Sie die verbleibende Zeit” des Arztes lässt allerdings keinen Zweifel: noch ein Tag, noch vierundzwanzig Stunden …

Minuten später wache ich auf. “Ein Traum”, sage ich erleichtert. “Nein”, sagt die Arzthelferin, “nur eine Ohnmacht.” Sie gibt mir lächelnd ein Glas Wasser und geht. “Verdammt!” Erneut ohnmächtig werde ich dieses Mal nicht, dafür habe ich einfach keine Zeit – mehr.

(…)

Timo O. Nieder: Leben im Angesicht des Todes

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

Zwei Dinge in meinem Leben sind sicher:

Erstens, ich werde sterben.

Zweitens, ich weiß nicht wann.

Moment, wie war es gleich? Es wird sein. Morgen.

Und dann – ist nichts. Kein Nirwana, kein Whatever, keine Renaissance. Nichts.

(…)

Andreas Langkau: Zum Leben!

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Wieder dieses Lachen. ‘Sympathisch’, konnte ich noch denken, bevor die Wut in mir hochkochte.

„Bist Du irre oder was? Steigst hier ein mit diesem Fummel und redest Scheiße. Wer bist Du und was willst Du, Mann?“

„Hey, bleib locker. Ich bin der Knecht vom Chef. Ich begleite die Leute auf ihrer letzten Reise und übergebe sie dann an den Boss. Das wird heute Abend um … (Blick auf den Zettel) … 18.28 Uhr geschehen. Dann bist Du mich wieder los, okay?“

„Heute Abend bin ich tot?“ Bis auf diese Frage war ich sprachlos.

„Klar. Es wurde beschlossen, dass Du heute dran bist. Da war noch ein Boot frei.“

„Ein Boot? Welches Boot?” Ich wurde wieder laut. „Ich bin auf dem Weg nach Hause, Mann. Ich hab da Frau und Kind. Ich will in kein Boot einsteigen, sondern meine Fähre erreichen. Die bringt mich von Emden nach Borkum und sonst nirgendwohin, ist das klar?“ Ich war hysterisch geworden. Was sollte der Quatsch?

(…)

Dominik X: Toete den Tod!

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Alle Vorkehrungen, die ich für ein langes Leben getroffen habe, sind für die Katz, all die Kapitel, die ich anfing, um sie zu einem ungewissen Zeitpunkt fortzuführen, ohne überhaupt schon ein Ende in Sicht zu haben, und ganz zu schweigen von den Kapiteln, die mit meinen 27 Jahren nicht einmal aufgeschlagen wurden – da soll ich nun entscheiden, was ich in meinen LETZTEN vierundzwanzig Stunden tue???? Wahnsinn!!!

(…)

Kersten Flenter: Kurz bevor ich uebrig blieb

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

Alle werden niemals fertig – Harald Welzer

 

Zuletzt musste er Texte für Geld schreiben.

Sein letzter Artikel für das

Internetportal einer Gewerkschaft

Begann mit den Worten

„Mit einem leidenschaftlichen Vortrag leitete die Vorsitzende …“

Schwache Worte

Hingeworfen

Eine Minute vor der Deadline

(…)

Christine Pagel: Die Zeit danach

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Die Zeit danach war kurz. Einen Teil davon verbrachte er im Krankenhaus, den restlichen im Pflegeheim. Er war froh, dass die Zeit danach nun zu Ende war. Der Sog wurde stärker und Herr K. konnte nun nichts mehr gegen ihn tun. Ein kaum spürbarer Hauch von Abschied zog durch das Zimmer.

(…)

Andre Bohnwagner: Tabak

Mai 2, 2012   //   by thomas   //   Texte  //  No Comments

(…)

Ich zünde mir meine letzte Zigarette an und gehe auf die Veranda. Der Sonnenuntergang liegt zwei Stunden zurück, meine Gedanken über mein Leben auch. Die letzten beiden Zigaretten waren die schönsten. Ich wollte schon immer aufhören und habe es jetzt tatsächlich geschafft.

(…)

Seiten:12345»